Brauchtum, Kultur, Tradition

Brauchtum wird in Udler durch viel Engagement hochgehalten.

Der Strohmann an Fastnacht

Wo man in anderen Orten den Brauch des Burgbrennens kennt geht an Veilchendienstag in Udler der Strohmann von Haus zu Haus und „treibt den Winter“ aus. Meist ist es ein Junge aus den letzten Schuljahren, der in Udler zu Beginn der Fastenzeit als Strohmann erkoren wird. Er wird gänzlich mit Stroh umwickelt und eingebunden, sein Gesicht bedeckt eine furchterregende Maske, so dass er von den Dorfbewohnern nicht zu erkennen ist. Drei bis vier andere Jungen begleiten den Strohmann, den sie gefesselt an einem Strick führen, damit der Unhold nur ja nicht entfliehen und dem Dorf schaden kann. Sie tragen alte Anzüge und haben ebenfalls Masken auf, damit sie nicht zu erkennen sind. Sie ziehen nun von Haus zu Haus, klingeln an den Türen und begrüßen dann die Bewohner mit dem Lied „Lustig ist das Zigeunerleben“.
Froh und dankbar, dass der Winter gefangen wurde und nun aus dem Dorf getrieben wird, spendieren die Hausbewohner den Jungen Eier und Geld in einem Weidenkorb. Nach dem Rundgang durchs Dorf, wo sich alle Einwohner überzeugen konnten, dass die Karnevalszeit und der Winter zu Ende sind, haben die Burchen ihr Werk vollbracht und der Frühling kann kommen.

Die Klapperkinder an Ostern

Ein schon sehr alter Brauch in Udler ist das Klappern an den drei Tagen vor Ostern. In dieser Zeit wird das Läuten der Glocken durch das Klappern der Kinder ersetzt. Von Gründonnerstag bis Karsamstag gehen die Kinder dreimal am Tag mit ihren Klappern durchs Dorf.
Am Ostersonntag gehen die Ältesten Kinder mit einem Korb von Haus zu Haus und sammeln Eier, welche später unter den Klapperkindern verteilt werden.

Dabei sagen sie an jedem Haus folgenden Spruch auf:

Wir haben geklappert fürs heilige Grab,
drum bitten wir um eine milde Gab.

Maibaum aufstellen der Jungesellen

Am Abend des 30. April eines jeden Jahres wird der Maibaum in Udler aufgestellt. Nach alter Tradition übernehmen dies bis heute die Junggesellen des Dorfes. Bei dem Maibaum handelt es sich um einen Nadelbaum, an dem die Rinde abgeschält ist. Die Krone wird mit bunten Bändern geschmückt.

Hier ein paar Bilder der letzten Jahre:

Vatertag an Christi Himmelfahrt

Der Vatertag wird in Udler seit sehr vielen Jahren auf eine besondere Art gefeiert. Am Vormittag treffen sich die Väter aus Udler zu einer gemeinsamen Wanderung. Nach einigen Zwischenstopps und Stärkungen wird sich dann an der Schutzhütte im Heidetal versammelt. Hier treffen nachmittags auch die Frauen und Kinder ein und so wird dann der Nachmittag ein richtiger „Familientag“. Die Organisation dieses Tages wird abwechselnd von drei Vätern übernommen.

Die Hillich an der standesamtlichen Trauung

Der uralte Brauch der „Hillich“ (von mhd. hi-leich, urspr. der dem Brautpaar dargebrachte Gesang) hat sich bis in die heutige Zeit erhalten. Am Abend der standesamtlichen Trauung kommen die Junggesellen des Dorfes zum Elternhaus des Mädchens. Dort wird solange mit einer Sense auf einem alten Karrenrad „geschliffen“, bis das Brautpaar aus dem Haus kommt. Anschließend werden Hillichlieder gesungen.

Zum Beispiel:

Kein Feuer keine Kohle kann brennen so heiß,
als heimliche Liebe von der niemand was weiß.
Keine Rose keine Nelke kann blühen so schön,
als wenn zwei Verliebte beieinander tun stehn.

Nach dem Gesang überbringen die Junggesellen dem Brautpaar Glückwünsche und anschließend wird gemeinsam gefeiert.

Dorffest der FFW Udler

Die Freiwillige Feuerwehr Udler veranstaltet jedes Jahr im Sommer (am 3. Wochenende im Juli) ein mehrtägiges Dorffest. Hier werden Grillspezialitäten sowie Kaffee und Kuchen angeboten. Am Samstagabend ist Tanz im Freien und Sonntags gibt es ein Siwwe-Schräm Turnier.

Backfest

Die Ortsgemeinde verfügt noch über zwei funktionsfähige Backhäuser. Im Abstand von einigen Jahren wird hier Brot und Hefekuchen nach alter Tradition gebacken.

Da beim Backfest sehr viele Helfer notwendig sind (2003 waren es 100 Personen), kann dieses Fest nicht jedes Jahr durchgeführt werden, es ist aber immer wieder ein aufregendes Ereignis.

2017 fand das letzte Backfest statt. Es war rundum ein voller Erfolg und hat die Dorfgemeinschaft, von denen wieder viele tatkräftig mitarbeiteten, sehr gestärkt. Besonderes Highlight war die Pizza aus dem Steinofen.

Martinszug und Martinsfeuer

Der Ursprung des Martinsfeuer ist kaum zu klären. Auf seine Funktion als Reinigung von Unreinem und Bösem wurde bereits hingewiesen. Das Feuer betrachtete man aber auch als Schutz vor Frost, Blitz und Hagelschlag. Mancherorts glaubte man, dass – soweit Asche fliege – die Felder fruchtbar würden. Ob man auch bei uns solche Vorstellungen pflegte, ist nicht bezeugt. Das Martinsfeuer ist wohl auf die Sage des heiligen Martin von Tours zurückzuführen der die Hälfte seines Mantels an einen Bettler abgibt. Anfang Oktober treffen sich die noch schulpflichtigen Kinder des Dorfes und sammeln im nahe liegenden Wald Holz für das Feuer. Das Feuer besteht aus einem Mittelpfosten um den das restliche Holz gestellt wird, so dass sich in der Mitte ein Hohlraum bildet. Dieser wird als Hütte benutzt, in der sich die Kinder aufhalten um abends Wache zu halten damit niemand aus den Nachbargemeinden das Feuer anzündet. Am Martinsabend versammeln sich dann alle Kinder mit ihren Laternen und Fackeln und ziehen durchs Dorf. Angeführt wird der Zug vom heiligen Martin zu Ross. Der Musikverein Eckfeld begleitet die Kinder und unterstützt sie musikalisch bei ihren Gesängen. Am Martinsfeuer angekommen spielt der Musikverein den Martinsruf und der Bürgermeister verteilt Brezel und Tüten mit Süßigkeiten an die Kinder.

Kulturdenkmäler

In Udler befinden sich einige unter Denkmalschutz gestellte Kulturdenkmäler:

  1. Ehemalige katholische Filialkirche St. Stephanus. Der Chorturm wird als spätmittelalterlich bezeichnet, das Kirchenschiff wurde 1734 erneuert
  2. Das Backhaus, ein eingeschossiger Putzbau aus dem Ende des 19. Jahrhunderts (Schalkenmehrener Straße)
  3. Ein Wohnhaus aus der Zeit um 1751 (Schalkenmehrener Straße)

Die Waldorfpilger

Jedes Jahr an Christi Himmelfahrt pilgern die Waldorfer Gläubigen und viele andere aus dem Vorgebirge von Waldorf (Nähe Bonn) nach Trier zum Grab des hl. Apostels Matthias. In schwerer Notzeit ist die Wallfahrt 1672 entstanden.

Das besondere für unseren Ort an dieser Wallfahrt ist, dass die Pilger am Tag nach Christi Himmelfahrt (am späten Freitagnachmittag) in Udler eintreffen und hier übernachten. Alle Pilger (ca. 150 bis 170 Personen) sind privat in Udler untergebracht. Am Abend wird dann gemeinsam im Bürgerhaus zu Abend gegessen und noch ein paar gemütliche Stunden verbracht. Für die organisation der Unterbringung der Gäste erklärt sich Theo Zens bereit. Die weitere Organisation übernimmt die Ortsgemeinde in Zusammenarbeit mit Feuerwehr und Sportverein. Das Eintreffen der Pilger ist jedes Mal ein freudiges Ereignis. Die Kinder werden mit Süßigkeiten beschenkt. Bei den Erwachsenen sind im Laufe der Jahre feste Freundschaften entstanden. Bei der viertägigen Wallfahrt haben die Pilger nur in Udler die Möglichkeit einmal gemeinsam einen Abend zu verbringen.

Als Dank für die langjährige Gastfreundschaft hat die Bruderschaft im Jahre 1997 am Ortseingang einen Gedenkstein aufgestellt und mit einer Bronzeplatte versehen lassen, auf der die Erinnerung an 325 Jahre Wallfahrt festgehalten ist.

Offener Dankesbrief an die Bürger/innen von Udler (2016)

 

Liebe Dorfgemeinschaft von Udler,

auch dieses Jahr blicken wir wieder sehr dankbar auf unsere Wallfahrt zurück. Ganz besonders denken wir dabei wieder an unseren Aufenthalt bei Euch in Udler. Wir haben dort nicht nur – wie immer – einen sehr herzlichen Empfang erlebt, sondern auch einige schöne Stunden bei Euch verbringen dürfen. Wir wissen sehr zu schätzen, was das für Euch an Aufwand und Arbeit bedeutet, und möchten Euch dafür ganz herzlich danken! Für das Bereitstellen und Koordinieren von Quartieren, für die Verlegung des Sportfestes für die „Matthiaspilger“, für das Herrichten des Saales, die Bewirtung und das leckere Essen, die Beseitigung unserer „Spuren“ durch die Damen in der Küche, für die Transporte der Pilger und Koffer, für die Pflege unseres Steines.. Wir sagen es immer bei unserer Ankunft in Udler: „In Udler ankommen heißt, bei Freunden ankommen!“

Habt ganz herzlichen Dank für all das, was Ihr auch in diesem Jahr wieder für uns getan habt und ein herzliches „Vergelt´s Gott!“!

Für die Sankt Matthias-Bruderschaft Waldorf
Euer Michael Braun und Günter Knapstein